
Während gerade noch die Buchstaben des Abspanns vom Bildschirm schweben und auflösen, konnte ich nicht zögern eine neue Empfehlung zu verfassen. Diese Empfehlung werde ich diesmal aber etwas konkreter formulieren als ich es bisher in meinen Fdkk-Artikel getan habe. So sollten alle, die auch an nicht-Hollywood-Produktionen Gefallen finden können und etwas zum Nachdenken benötigen um wirklich von einem Film berührt zu werden, sich diese isländische / norwegische Produktion aus dem Jahre 2006 mal ansehen.
Ich kenne viele Cineasten, die sich sehr über Filme aufregen, die kein wirklich rundes, abgeschlossenes Ende aufweisen können, aber dennoch Gefallen an solchen Mysterien finden, ohne es wirklich zuzugeben. Anderland kann dieses noch schlummernde Gefallen auf jeden fall aus einem herauskitzeln – WENN die Nuancen einer Neigung vorhanden sind.
Beim Vertrautmachen mit dem Plot des Films dachte ich zunächst an Filme wie “Nothing”, indem sich die Akteure auch in einer fremden, leeren Welt wiederfinden. Jedoch hatte ich diesmal die Hoffnung, dass meine Erwartungen diesmal erfüllt werden konnten, denn diese Welt Anderland scheint doch erheblich spannender zu sein, als ein monotone weißes “Nothing”. Und siehe da: Das “Grau-in-grau” von Anderland, mit seinen oberflächlichen Bewohnern und dem unbeschwert wirkenden Lebensstil wirkt zum einen befremdlich, jedoch auch ein wenig vertraut. So denkt man doch anfangs der Akteur sei im Himmel gelandet. Für einige Mag das vielleicht auch gelten, aber nicht für den Schlag Mensch, den er verkörpert.
Aber ich beginne, dann mal von vorne:
Inmitten einer kargen Landschaft hält ein Bus und spuckt seinen einzigen Passagier in eine neue Welt aus. Andreas hat keine Ahnung, wie er hierher gekommen ist und was er tun soll, doch das braucht er auch nicht. Er wird in ein vorgefertigtes und anonymes Leben gesteckt, erhält Wohnung, einen Job, Kleider und Nahrung. Die Umgebung ist schön und die Arbeitskollegen sind nett.
Andreas, der nun täglich Zahlen in einen Computer eintippt, ohne dass er weiß, wozu, macht das Spiel mit und findet auch bald eine Freundin, Anne-Britt. Wie die meisten anderen Menschen in dieser kinderlosen Stadt interessiert auch sie sich ausschließlich für Innendekoration. Nach mehreren Nächten mit mechanischem Sex kommen Andreas erste Zweifel. Ist dies tatsächlich ein Leben, das er führen will? Denn etwas läuft falsch, etwas fehlt: er vermisst den Geschmack der Speisen, die Wirkung von Alkohol, es gibt keine Kinder und keine Emotionen.
Eine Affäre mit der blonden Ingeborg scheint die gewünschte Abwechslung in der allgemein gepflegten Oberflächlichkeit zu bieten. Doch als Andreas seinen Sinnen für das wahre Leben folgt, kommt er dabei in Schwierigkeiten – denn einen Ausweg aus dieser gespenstisch netten Welt mit seiner blitzsauberen Fassade scheint es nicht mehr zu geben.
Ist es nun der Himmel oder doch eine Art Hölle?

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